Holger ist fast 57, auf St. Pauli aufgewachsen und Chefkonditor im eigenen Familienunternehmen an der Hein-Hoyer-Straße. Er kennt St. Pauli wie seine Kitteltasche und hat hier viele Veränderungen beobachtet. Das Interview fand auf Norddeutsch statt.
Moin Moin, wohin des Weges? Holger: Nur noch auf die Couch. Ich steh schon den ganzen Tag im Laden.
Du bist hier groß geworden. Wie sieht denn die Generation St. Pauli aus? Heute ist sie lebendig! St. Pauli war mal ein toter Stadtteil. Und jetzt ist hier Leben eingekehrt. Weißt du, vor 30 Jahren gab es hier gar keine Kinder. Vor 15 Jahren kamen dann die ersten ausländischen Kinder und heute laufen hier manchmal 50 oder 60 am Tag vorbei – wie neulich an Halloween. Früher sind die deutschen Familien hier weggezogen, sobald die Kinder ins schulpflichtige Alter kamen. Heute bleiben sie. Warum sich das geändert hat? Woll’ma sagen: Latte Macchiato greift an, nech? Dadurch, dass die Wohnungen hier immer teurer werden, kommen ganz neue soziale Schichten. Ich find das ne tolle Entwicklung – denn wer will schon in nem Stadtteil ohne Kinder leben? Und wir können uns auch nich beschweren. Die Leute haben das Geld und kaufen unseren Kuchen. Dem Einzelhandel gehts hier gut, das hör ich von allen Seiten. Aber die Verdrängung der Hartz IV Empfänger find ich moralisch verwerflich. Diese Leute leben hier und möchten hier nich weg. Und dann haben sie einen Quadratmeter mehr, als ihnen zusteht und werden vom Amt verjagt. Du siehst also – die Entwicklungen sind gut und schlecht zugleich.
Mit wem würdest du hier gerne Mal füßeln? Sehr interessante Gespräche kann man mit dem Apotheker vom Paulinenplatz führen.
Holger wurde von René gefüßelt.






